Berichte
Seminar: Nachhaltigkeit beim Bauen mit Lehm
Die Kooperationsveranstaltung fand am Donnerstag, den 6. November 2025 in der Seminarhalle 'Nawarum' (= nachwachsende Rohstoffe) des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH), Am Sande 20, 37213 Witzenhausen statt.
Das Programm begann mit der Begrüßung des des NWL-Vorstandmitglieds Dieter Brauch.
Michael Braun gab einleitend einen kurzen Überblick zu Begrifflichkeiten und Definitionen rund um die Nachhaltigkeit. Der Begriff kommt aus der Forstwirtschaft und verschiedenen Bewegungen aus dem 20. Jahrhundert. Sie führten schließlich 2015 zur ersten Zielvereinbarung. Die UN-Mitgliedsstaaten verabschiedeten die Sustainable Development Goals (SDGs). Sie umfassen 17 globale Nachhaltigkeitsziele und dienen seitdem als Leitfaden für Politik und Gesellschaft.
Der anschließende Beitrag: "Einsatz von Lehmbaustoffen (früher und heute)" von Dieter Brauch zeigte das große Spektrum an Lehmbaustoffen und die Entwicklung des Lehmbaues. Dabei wurden u.a. Grundkenntnisse vermittelt, wie: Bestandteile und Eigenschaften von Lehm, Techniken des Lehmbaus etc. Besonderes Augenmerk lag auf Darstellung moderner Herstellungsverfahren mit aussagekräftigen Bild-Beispielen, wie: lastabtragende, biegesteife und brandsichere Lehmwandtafeln, Lehm-Holz-Massivdecken, hoch-fester Lehmestrich, industriell gefertigte Stampflehm-Wände, Lehm im 3 D-Druck usw. Abschließend gilt für Nachhaltiges Bauen: Altes neu entdecken, folgenloses Bauen und enkelschonend.
Nach der Mittagspause und dem Austausch aller Teilnehmenden zu der Thematik stellte Oliver Rosenbusch das prämierte Projekt: "Auf hochfestem Stampflehm basierende Fußbodenheizung" vor. Zunächst gab er einen Überblick zu den Anforderungen an Lehmestrich mit und ohne Fußbodenheizung. Sie stellten sich wie folgt dar: Lastabtrag, Druck- und Biegezugfestigkeit, ästhetische Oberflächen und Reinigungsfähigkeit. An der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) wurde ein ökologischer Zusatzstoff zur Stabilierung von Lehm entwickelt und weiter erforscht. An einem Prüfkörper zeigte Oliver Rosenbusch die enorme Festigkeit durch festes Aufschlagen auf den Boden - ohne irgendwelche Abplatzungen. Mit dem Öko-Lehmzusatzstoff lassen sich für Lehmbaustoffe eine Reihe von Vorteilen erzielen: u.a. Erhöhung der Biegezugfestigkeit bis auf zu 15 N/mm², die Druckfestigkeit auf bis zu 20 N/mm² und bei der Haftfähigkeit sind Werte bis zu 2,3 N/mm² möglich. Die Beständigkeit gegen Wasser steigt auch merklich. Dennoch bleibt das Material recyclefähig. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft beim Bauen.
Das Seminar war für alle Interessierte eine erfolgreiche Veranstaltung. Die Anregungen der Teilnehmenden weitere Themenschwerpunkte zu behandeln, wie: die Vorstellung moderner Lehmbaumethoden bei der Altbausanierung, Rechenbeispiele zur Bauphysik, zum CO2-Verbrauch sowie die Ergänzung mit einem Praxisteil etc. wird bei der Planung der nächsten NWL-Seminare mit einfließen.

